[Kirchenkreis Moers] „Da wir keinen Abschied feiern, spreche ich heute von 40+X“, schmunzelte Wolfram Syben, Superintendent des Kirchenkreises Moers, zu Beginn seiner Predigt. Am 9. September feierte der Kirchenkreis Moers das 40-jährige Jubiläum seiner Geschäftsführerin des Verwaltungsamtes, Anja Neuser, mit einem Gottesdienst. Sie ist seit vier Jahrzehnten im kirchlichen Dienst. Syben dankte ihr für ihre Bereitschaft, alle Veränderungsprozesse und Umbrüche zu konzipieren und gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden zu gestalten. Nach dem Segen überreichte er als Symbol für Gottes Zusage am Ende der alttestamentlichen Sintflut-Erzählung, die Welt niemals schutzlos zu lassen, einen Regenbogenschirm. Bei Leckerem vom Grill und im Gespräch klang der Nachmittag mit den Gästen aus Mitarbeitendenschaft, Kirchenkreis und Landeskirche im Haus der Gemeinde in Homberg aus.
Für Anja Neuser hätte es viele Lebenswege geben können. Als Musikerin spielt sie mehrere Instrumente und singt. Sie hat eine tanzpädagogische Ausbildung absolviert und sie malt mit Leidenschaft. Im elterlichen Handwerksbetrieb in Krefeld hatte sie zudem von klein auf die Buchhaltung kennengelernt und spielerisch umgesetzt. Ihre Liebe zu Pferden führte sie zudem zur Überlegung, Pferdewirtin zu werden. „Doch in meiner Jugend“, erinnert sich die heute 60-Jährige, „konnte man in diesem Beruf zwar die Tiere der anderen pflegen und deren Ställe misten, aber finanziell reichte es nicht, um selbst auch ein Pferd zu haben.“
Der Einstieg bei der Kirche erfolgte über den Tipp ihres Patenonkels, in die Buchhaltung im Evangelischen Gemeindeverband Krefeld hineinzuschnuppern. Dort sammelte sie erste Erfahrungen bei der kaufmännischen Betreuung von Altenheimen. Von der Arbeit, der guten Atmosphäre und Gemeinschaft begeistert, schloss sie eine kirchliche Ausbildung an und übernahm auch während dieser Jahre Aufgaben im Gemeindeverband. „Es war noch die Zeit der Barkasse. Pfarrer, Küster, Jugendleitende kamen vorbei für die Abrechnungen für ihre Arbeit, Zivildienstleistenden holten ihren Sold. Man wechselte immer ein persönliches Wort“, beschreibt sie die damalige Zeit.
Auch nach ihrer kirchlichen Ausbildung baute sie ihr Fachwissen kontinuierlich aus. Sie absolvierte Verwaltungslehrgänge, Fortbildungen und nahm an Coachings teil. Sie erlebte die Einführung von Computertechnologie im Amt und schließlich auch die Zusammenführung von Gemeindeverband und Kirchenkreisverwaltung in Krefeld. Schließlich wurde sie als Leiterin der Superintendentur auch noch stellvertretende Geschäftsführerin der Verwaltung.
Weitere gute Erfahrungen machte nach einem Wechsel in den Dienst der Landeskirche. Dort war sie im Kirchenkreisdezernat aufsichtlich für mehrere Kirchenkreise und im Entstehungsprozess der Verwaltungsstrukturreform zuständig.
Im Jahr 2014 bat der damalige Superintendent des Kirchenkreises Moers, Ferdinand Isigkeit, sie, eine Stellenausschreibung für den Posten der Verwaltungsleitung in Moers nicht nur an das kirchliche Amtsblatt weiterzugeben, sondern sehr genau auch selbst zu studieren. „Ich kannte den Kirchenkreis damals als Gemeindeglied von Neukirchen gut. Ich mochte ihn. Es ist ein musikalischer Kirchenkreis, Eine-Welt-Themen waren wichtig, sowie Mission und Ökumene, das hat mich beeindruckt. Immer gab es tolle Superintendenten, z. B. Nikolaus Schneider, der auch auf der Brücke der Solidarität mit den Kumpels Seite an Seite stand.“
Sie folgte der Bitte Isigkeits – und fand eine Menge großer Aufgaben vor. Es gab mehrere Verwaltungsämter im Kirchenkreis, die zusammengeführt werden mussten, die Umstellung von der Kameralistik auf das kaufmännische Finanzwesen fiel in diese Zeit, der Umzug der gesamten Verwaltung in ein anderes Gebäude, Software-Umstellungen mit entsprechenden Anfangsschwierigkeiten. „Ich bin sehr stolz auf meine Mitarbeitenden, die das alles so kollegial mitgemacht und sich auf die Veränderungen eingestellt haben“, erklärt sie rückblickend.
Ihre Kreativität hilft ihr bis heute dabei, Lösungen zu finden, wenn es schwierig wird. Aber auch ihr Berufsethos. „Mir ist meine Aufgabe wichtig. Verwaltung ist Möglichmacherin. Wir ermöglichen den Gemeinden, dass sie sich auf ihre inhaltliche Arbeit konzentrieren können und notwendige Verwaltungsprozesse im Hintergrund gewährleistet sind, z. B. die Löhne für Küsterinnen und Küster, für Kirchenmusizierende, Abrechnungen der Jugendfreizeiten, steuerliche Abgaben, Gebäudebedarfsplanung etc. Wir sorgen dafür, dass es klappt und unterstützen die Gemeinden bei all ihren Arbeitsfeldern. .“
Ihre Kreativität ist ihr geblieben: Sie singt bis heute im Chor, tanzt und zeichnet. Und im Stall ist sie auch in der schwierigen Umbruchphase nach dem Tod ihres Pferdes fast täglich. „Pferde bleiben mein Leben“, lacht sie.
