Alltagsimpuls: Sommerferien ohne Druck

  • 12.07.2026

Bald ist es so weit! Wenn die Schule ihre Tore schließt und die Sommerferien beginnen, mischen
sich in vielen Köpfen zwei Stimmen: Vorfreude auf Freiheit und die leise Frage, ob denn alles
„gelingen“ wird. Manche erwarten Sonne, Erholung und schöne Tage wie aus dem Reisekatalog.
Andere hoffen vor allem auf Ruhe – genug Schlaf, genug Abstand, genug Zeit, um wieder zu Atem
zu kommen. Doch oft steckt in der Erwartung auch Druck: Wie wird der Urlaub, wenn das Wetter
nicht mitspielt, der Plan zerbricht oder Streit auftaucht?

In der Religion begegnet uns die Idee, dass Gott nicht nur dort ist, wo alles gelingt, sondern auch
dort, wo Menschen warten, hoffen und sich neu ausrichten. Sommerferien sind wie eine Pause im
Alltag. Ein Stück Stille, in der man merken kann, welche Erwartungen wirklich tragen – und welche
nur Druck erzeugen.
Dabei kann Urlaub auch ein Lernfeld für das Miteinander sein. Reisen bringt Menschen
zusammen – manchmal auch an Grenzen: andere Rhythmen, andere Gewohnheiten, andere
Vorstellungen davon, wie ein Tag gestaltet wird. Lehrt uns doch das Miteinander: Verzeihen ist oft
praktischer als Recht behalten. Zuhören entspannt mehr als Diskutieren. Geduld spart Nerven und
schafft Raum für das, was wirklich schön ist.

Gleichzeitig gilt Verantwortung aber auch außerhalb der eigenen Reisepläne. Nicht jeder kann
fahren, nicht jede Familie hat Zeit und Mittel, nicht jede Person hat das gleiche Glück. Vielleicht
darf die Erwartung an Ferien auch menschlicher werden: an Menschen denken, die allein bleiben,
und bei aller Urlaubsfreude ein Stück Empathie mitnehmen.

Und noch eine letzte Erwartung: nach dem Sinn. Manche finden ihn beim Wandern, beim Lesen
oder im stillen Gebet. Andere spüren in der Pause vom Schulalltag, wie viel ihnen fehlt. Beides
darf sein: Dank und Trauer, Lust und Leere. Religiöse Gedanken laden dazu ein, die Stille nicht zu
fürchten, sondern in ihr zu entdecken, dass Hoffnung nicht laut sein muss.

Vielleicht ist die beste Erwartung an Sommerferien die, die nichts ganz festlegt: Erholung,
Begegnung und Staunen – in dem Maß, wie es möglich ist. Dann wird aus dem Urlaub nicht nur
eine Auszeit, sondern eine Pause für uns selbst. Und selbst wenn der Sommer nicht so läuft wie
geplant, bleibt etwas: die Gewissheit, dass wir nicht alleine sind und dass der nächste Tag
trotzdem trägt.

Mira Heyneck
Schulpfarrerin am Städt. Meerbusch-Gymnasium

Foto: privat

  • Red
  • Red