95 Tage. So lange dauert es noch bis Weihnachten. Noch ein gutes Vierteljahr. Und trotzdem liegt Weihnachten längst in den Regalen.
Lebkuchen. Spekulatius. Marzipan. Schokoladensterne. Kaum ist der Sommer vorbei, beginnt in vielen Geschäften schon die Weihnachtszeit. Es soll ja Menschen geben, die bekommen davon schlechte Laune. „Muss das wirklich schon sein?“, fragen sie.
Offenbar ja. Denn sonst würden die Leckereien nicht verkauft werden. Es muss Menschen geben, die jetzt schon Lust auf Weihnachten haben, die Spekulatius kaufen, obwohl draußen noch die Sonne scheint.
Und ich finde das gar nicht schlecht.
Denn vielleicht kaufen diese Menschen nicht nur Lebkuchen. Ich stelle mir vor, sie kaufen auch ein kleines Stück Vorfreude. Ein Zeichen dafür, dass noch etwas kommt. Dass es das noch nicht gewesen ist für dieses Jahr 2026.
Advent ist auch im September.
Advent heißt: Ich erwarte etwas. Ich weiß noch nicht genau, was kommt. Aber ich rechne damit, dass etwas Gutes kommen kann.
Diese Erwartungshaltung kann uns guttun. Wir leben in einer Zeit, in der so vieles unsicher ist. Nachrichten machen Sorgen. Was gestern noch selbstverständlich war, ist heute nicht mehr sicher. Und auch im eigenen Leben gibt es Dinge, die uns Angst machen.
Da hilft es, nicht nur auf das zu schauen, was jetzt die Gegenwart bestimmt. Sondern auch auf das, was noch kommt.
Vielleicht kommt ein neuer Anfang. Vielleicht begegnet uns ein Mensch, der unser Leben verändert. Vielleicht wird ein Problem kleiner, als es heute aussieht. Vielleicht finden wir Kraft für einen Weg, von dem wir noch gar nicht wissen, dass wir ihn gehen müssen.
Christen nennen diese Erartungs-Haltung Hoffnung. Sie glauben: Gott hat die Welt und uns Menschen nicht vergessen. Gott kommt uns entgegen. Nicht erst an Weihnachten. Schon jetzt.
Darum mag ich die frühen Weihnachtssachen. Sie erinnern mich daran, dass Vorfreude etwas Schönes ist. Sie sagt: Wir dürfen noch mehr erwarten als das, was wir gerade sehen.
Wenn Ihnen also in den nächsten Tagen der erste Lebkuchen begegnet, müssen Sie ihn ja noch nicht kaufen. Aber vielleicht nehmen Sie ihn als kleine Erinnerung:
Da kommt noch etwas, und das ist gut.
Das Leben ist noch nicht fertig mit uns.
Advent ist auch im September.
Pfarrer Tillmann Böhme, Evangelische Stadtkirchengemeinde Krefeld
