Fotos gehören zu unserem Leben dazu. Sie halten wichtige Momente fest. Sie sind greifbare, sichtbare Erinnerungen. Stolz zeigen wir sie her oder teilen sie im Internet: Fotos vom Sommerurlaub, Familienfotos, Bilder der Kinder und Enkel. Aufnahmen von Hochzeiten und Ehejubiläen oder das Gruppenbild vom Klassentreffen, Bilder von den besonderen und den alltäglichen Augenblicken im Leben.
Fotos können ganze Geschichten erzählen. Geschichten von längst vergangenen Zeiten. Lebensgeschichten von Menschen, die vielleicht nicht mehr bei uns sind. Bilder, die deshalb auch wehmütig machen. Fotos sind Erinnerungen. Je nachdem, woran sie uns erinnern, sind sie schön oder auch schmerzhaft.
Erinnerungen machen uns zu den Menschen, die wir heute sind. Wie einen riesigen Schatz habe ich Erinnerungen in meinem Leben gesammelt. Manches ist noch ganz nah und vertraut, anderem muss erst auf die Sprünge geholfen werden. Deshalb macht es so viel Freude, sich mit anderen auszutauschen. Es tut gut, gemeinsam in alten Zeiten zu schwelgen.
Ich merke, wie manche Erinnerung im Laufe eines Lebens verblasst, wie ich manche Details durcheinanderbringe und wie ich auch an manches nicht gern erinnert werde. Sei es, weil ich mit diesem Lebenskapitel abgeschlossen habe oder weil ich wehmütig werde: Alles lang her, vorbei, vergangen. Das kommt niemals so wieder.
Erinnern ist eben nicht immer leicht, und es reicht auch nicht beim Erinnern zu bleiben, denn das Heute will auch gelebt und eines Tages erinnert werden.
„Vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat“, heißt es in der Bibel.
Das Gute soll ich nicht vergessen. Trotzdem muss ich mir nicht alle Dinge schönreden. Das geht bei vielen Themen in dieser Welt auch gar nicht. Gemeint ist mit dem Satz aus der Bibel: Vergiss trotzdem nicht das Gute, das ja immer noch geschieht. Tag für Tag. Vielleicht schaue ich heute mal bewusst auf alles Gute, an das ich mich erinnern will. Und ich gehe damit um, wie mit meinen liebsten Fotos. Ich stell sie mir irgendwo hin. Ich mach einen schönen Rahmen drum oder speichere sie auf dem Handy ab, zeige sie allen, die sie sehen wollen, meine guten Erinnerungen, für die ich dankbar bin.
Dass auch Sie das Gute in Ihrem Leben nicht vergessen, wünscht Ihnen
Pfarrerin Anne Wellmann aus Tönisvorst
