Alltagsimpuls: Erdbeeren, Spargel und ein Stück Paradies

Seit einigen Tagen gehört es wieder zum Straßenbild rund um die Markuskirche in Fischeln: das kleine rote Verkaufshäuschen für Obst und Gemüse. Mir zeigt es an, dass der Frühling schon fortgeschritten und der Sommer ganz nah ist – egal, was das Thermometer gerade anzeigt. Und es steht für die Zeit, in der es den besten Spargel und die besten Erdbeeren gibt. Ein wunderbares Gemüse und eine Frucht, die nach Sommer schmeckt

Wer in eine saftige Erdbeere beißt oder eine perfekt gekochte Stange Spargel genießt, fühlt sich vielleicht ein bisschen wie im Paradies. Damals sagte Gott zu den Menschen, dass für ihn viele verschiedene Pflanzen und Früchte ganz ohne Mühe von selbst wachsen und reifen.

Jetzt leben wir nicht mehr im Paradies. Spargel und Erdbeeren müssen mühsam angebaut und geerntet werden. Oft erledigen diese Arbeit Menschen, die dafür nur schlecht bezahlt werden. Hinzu kommen Unkraut und Schädlinge. Das bedeutet noch mehr Arbeit und eventuell, ökologisch nicht ganz unproblematisch, den Einsatz von giftigen Pflanzenschutzmitteln.

Es stimmt schon, was in der Bibel steht: „Im Schweiße unseres Angesichts essen wir unser Brot“ – und vielleicht auch unseren Spargel und unsere Erdbeeren (1. Mose 3,19). Das im Hinterkopf zu behalten, kann nicht schaden. Dazu gehört auch der Respekt den Leuten gegenüber, die sich für uns den Rücken krumm machen.

Dass uns Erdbeeren und Spargel so gut schmecken, dass wir Süßes ebenso genießen wie Saures oder Herbes, ist vielleicht ein Geschenk Gottes – eine kleine Erinnerung ans Paradies. Und damit auch ein Zeichen dafür, dass das Leben nicht nur Arbeit ist, sondern auch aus Genuss bestehen darf.

Besonders kostbar wird diese Erinnerung ans Paradies dadurch, dass Erdbeeren und Spargel nicht das ganze Jahr zu haben sind. Klar, inzwischen bekommt man auch im Januar Erdbeeren von weit her und Spargel aus dem Glas können sie auch im November genießen. Aber richtig gut sind sie nur jetzt, wenn Frühling und Sommer sich küssen. Dann werden sie auf den Feldern in und um Krefeld frisch geerntet. Dann kann ich sie kaufen: Auf den Bauernhöfen, in den Supermärkten und den kleinen roten Häuschen am Straßenrand.

 

Pfarrer Jonas Siebenkotten
Evangelische Kirchengemeinde Krefeld-Süd