Alltagsimpuls: Glaube und Frieden

Leuchtend rot fallen mir die Ziffern auf der Anzeigetafel der Tankstelle in die Augen: der Benzinpreis ist in schwindelerregende Höhe gestiegen und Diesel inzwischen deutlich teurer als Benzin. Ich seufze. Verdrehte Welt. Und tatsächlich werden die Auswirkungen der Konflikte dieser Welt, die sich tausende Kilometer entfernt abspielen, an dieser Stelle sichtbar und haben direkten Einfluss auf mein eigenes Leben.

Ich denke an den Klimawandel und die Coronazeit und daran, dass spätestens da deutlich spürbar geworden ist, wie alles zusammenhängt – auch jetzt wieder. Ich horche in mich hinein: „7 Wochen ohne Härte – mit Gefühl!“ lautet das Motto der diesjährigen Fastenaktion der evangelischen Kirche. Da regen sich Gefühle der Wut und auch der Ohnmacht angesichts der Lage im Nahen Osten. Und es ist so komplex: Die Sehnsucht wächst nach einer Rückkehr zu regelbasierten Ordnungen, die auch aus den Lehren der Schrecken des Zweiten Weltkriegs mühsam errungen worden sind. Die dauernde Bedrohung Israels durch den Iran kann aber auch nicht verleugnet werden.

Aber führt dieser Krieg zu einer Lösung? Die Zweifel sind deutlich zu hören. Wenn alles mit allem zusammenhängt, dann hängt auch meine Sehnsucht nach einem menschlichen Miteinander unter Völkern, Religionen und einzelnen Menschen und ihren Beziehungen mit dem allen zusammen. Jesus sagt: das Reich Gottes gleicht einem Senfkorn, das winzig klein in die Erde gesät wird und doch ein so großer Baum wird, dass die Vögel in seinen Zweigen wohnen. Ich verstehe das so, dass in allem eine Kraft des Geistes und der Liebe keimt, stärker als der Tod, stärker als die  Macht der Mächtigen.

Ich hoffe darauf, dass die Sehnsucht nach Menschlichkeit und Frieden, die ich selbst spüre, auch in ganz vielen Menschen wirkt. Ich wünsche mir, dass viele an einem Netz spinnen aus Verbundenheit und Achtsamkeit. Der Glaube an den Gott der Liebe und der Menschlichkeit bestärkt mich als Christ in dieser Sehnsucht. Und wenn alles mit allem zusammenhängt, bleiben auch Gebete nicht ohne Bedeutung. In dieser Passionszeit nehme ich mir vor, mir Zeit zu nehmen für die Stille. Da spüre ich: ein kleines Senfkorn von Gottes Geist des Friedens…. für mich die Keimzelle der Hoffnung in einer trostlosen Welt.

Pfarrer Christian Röhling
Evangelische Kirchengemeinde Krefeld-Ost