Alltagsimpuls: Gottes Kinder

Liebe Leser:innen, der Sommer ist angebrochen. Draußen hört man Kinder lachen und spielen. Als Erwachsene fällt es uns in dieser Zeit leichter, die Freude und die Unbeschwertheit der Kinder wahrzunehmen und ein Stück weit für uns wiederzuentdecken: Da ist dann doch mal Gelegenheit für ein Gespräch über den Gartenzaun. Da ist Zeit, nach einem langen Tag abends noch draußen zu sitzen oder am Wochenende den Grill anzuwerfen und einzuladen. Da ist Zeit, das Leben bewusster wahrzunehmen und ungezwungener zu leben. Da ist Zeit, mehr Kind zu sein oder besser gesagt: anders Erwachsener. Denn natürlich können wir nicht einfach wieder zu Kindern werden. Die Sorglosigkeit eines Kindes ist eine andere als die eines Erwachsenen – auch die eines sorglosen Erwachsenen. Das Vertrauen, geborgen zu sein, das Kinder fest in sich tragen, ist ein anderes als das eines Erwachsenen.

Es geht also nicht um Naivität. Das wäre angesichts der Verantwortung, die man als Erwachsener trägt, und den Möglichkeiten, die man hat, das Leben zu gestalten, auch nicht wünschenswert. Es geht vielmehr darum, sich den Zugang zum Leben zu bewahren bzw. neu zu öffnen. Es geht darum, die eigenen Wünsche und Gefühle ernst- und wahrzunehmen. Das eigene Herz mehr nach außen zu tragen. Im Glauben sind wir Gottes Kinder (1. Joh 3,1). Wir sind wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung (1. Petr 1,3). Das heißt zuerst: Wir gehören zu Gott. Er ist und bleibt uns Mutter und Vater. Daran ändert auch unser Alter nichts.

Das heißt dann: Wir schauen mit unserem Glauben, also als Gottes Kind, mit einer lebendigen Hoffnung auf die Welt und das Leben. Wir sehen in den Dingen mehr als die Vernunft oder die Erfahrung. Wir sehen mit Hoffnung – und damit sehen und leben wir, was die Dinge auch sein können. Mit der Fantasie, der Kreativität der Kinder. Wenn bei den Kindern das Zimmer zum Elfenland, das Planschbecken zur Piratenlandschaft wird – was wird dann das Leben für uns, wenn wir als Gottes Kinder auf die Welt schauen? Wir sehen dann eine Welt, die von Gottes Liebe geprägt ist. Eine Welt, in der ein Leben in Liebe möglich ist – für alle, überall. Eine Welt, in der es Frieden werden kann. Wir sehen diese Welt, dieses Leben – und wir beginnen sie zu leben. Wir gehen raus. Wir leben draußen. Wir leben den Sommer. Denn wir heißen Gottes Kinder – und wir sind es auch!

Pfarrer Christian Dierlich
Evangelische Kirchengemeinde St. Tönis