Helau! – Die fünfte Jahreszeit steuert auf ihren Höhepunkt zu. Dazu gehören bunte Kostüme, ausgelassenes Feiern und ein Augenzwinkern gegenüber den Mächtigen. Karneval ist die Zeit der Narrenfreiheit: Für ein paar Tage dürfen wir uns verkleiden, Rollen ausprobieren und Gedanken aussprechen, die sonst vielleicht unausgesprochen blieben. Karneval ist eine Auszeit vom Alltag. Wir feiern, dass zum Leben mehr gehört, als nur zu funktionieren.
Mitten an diesem Karnevals-Wochenende geht in der evangelischen Kirche der Blick schon voraus in Richtung Passionszeit. In der Fröhlichkeit des Karnevalssonntags hören wir eine andere Stimme. Sie kündigt das Leiden und Sterben Christi an.
Der Apostel Paulus bezieht sich gerade auf den Kreuzestod Christi, als er schreibt: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ (Galater 5,1). Paulus schreibt von einer anderen, tieferen Freiheit. Wir werden erinnert: Freiheit ist mehr als Ausgelassenheit, so schön und wichtig diese ist. Und vor allem: Freiheit ist mehr als ein Ausnahmezustand.
Martin Luther nennt sie die Freiheit eines Christenmenschen: Sie ist die Freiheit von dem Zwang, aus eigener Kraft vor Gott bestehen zu müssen. Sie macht frei von der Angst, in den Augen anderer oder in meinen eigenen Augen nicht zu genügen. Frei, weil ich von Gott gehalten bin.
Im Moment der Freiheit berühren sich Karneval und Evangelium. Die Verkleidung ermöglicht es mir, für eine Zeit aus meinen Rollen und Pflichten auszubrechen. Christus lädt mich ein, ganz ohne Verkleidung zu leben. Nicht perfekt, nicht immer stark, aber lebensecht und geliebt – auch mit Brüchen.
Diese Freiheit ist auch am Aschermittwoch nicht vorbei. Sie trägt durch Freude und durch Leid. Eine Freiheit, die nicht auf Kosten anderer geht, sondern ihnen Raum gibt. Sie macht mir Mut, Leben zu gestalten – für mich, meine Mitmenschen und unsere Gesellschaft.
In Gottes Liebe sind und bleiben wir frei. So können wir diese Tage feiern – mit Lachen im Herzen und einem festen Grund unter den Füßen.
Ihre Pfarrerin Christine Grünhoff
Krefeld-Süd
