Miteinander gestalten: Wie kann unser Miteinander in Krefeld, in den Stadtteilen und Nachbarschaften gelingen? Was braucht es dafür? Ein Schlüssel dazu ist für mich, dass es mir und meinen Mitmenschen gelingt, die eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse anderer zu sehen und in einen guten Ausgleich zu bringen.
Früher haben Kinder (ganz besonders Mädchen) gelernt, ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen. Viele Höflichkeitsformen erinnern daran – zum Beispiel, dass ich mir am Tisch erst dann selbst etwas zu essen auftue, wenn ich die Teller der anderen gefüllt habe.
Mehr als früher vermitteln Eltern heute ihren Kindern, auch ihre eigenen Bedürfnisse wahr- und erst zu nehmen. Das ist wichtig. Und genauso wichtig ist es, dass Kinder und Erwachsene auch die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen sehen – und dass wir noch genauer lernen, einen Ausgleich zu finden. Was darf ich von einer Gemeinschaft erwarten? Und was kann ich in das Miteinander einbringen?
Als Christin suche in Orientierung für mein Leben in der Bibel. Da ist zum Beispiel der 23. Psalm, der an diesem Sonntag in vielen evangelischen Kirchen im Gottesdienst gebetet wird. „Der Herr ist mein Hirte. Mir fehlt es an nichts.“ Aus der Perspektive eines Schafes wird von der Fürsorge des Hirten erzählt und von seiner Begleitung in guten und schweren Zeiten unseres Lebens. Es geht um Geborgenheit und Vertrauen, und beides brauchen wir in diesen Zeiten dringend.
Doch für mich schwingt noch etwas Wichtiges in diesem Psalm mit: Gott ist ganz für mich da, aber nicht nur für mich – so wie ein Hirte ja nicht nur ein Schaf, sondern eine Herde hütet. Das heißt: Ich zähle vor Gott – und meine Mitmenschen ebenso. Und zwar so sehr, dass er in Jesus Christus mit uns Menschen solidarisch wird bis in den Tod hinein – und schließlich den Tod überwindet. Das haben Christinnen und Christen gerade an Ostern gefeiert.
So ermutigen mich der Psalm und die Osterbotschaft auch, meine Mitmenschen wahrzunehmen und wertzuschätzen wie mich selbst. Als im wahrsten Sinne des Wortes angesehene Menschen können wir Gemeinschaft vor Ort gestalten. Das geschieht vielfach in unseren Gemeinden und immer mehr auch im Miteinander mit Bürgervereinen und lokalen Initiativen in den Quartieren.
Ich freue mich auf alle Begegnungen, die dazu vor uns liegen!
Pfarrerin Christine Grünhoff
Ev. Kirchengemeinde Krefeld-Süd
