Pfingsten wird oft mit Sturm und Feuer verbunden.
Mit Begeisterung, Aufbruch und großen Worten.
Ich denke an Pfingsten inzwischen manchmal anders.
Vor einiger Zeit saß eine junge Patientin bei mir. Sie hatte ihre Sprache verloren, schrieb nur noch einzelne Sätze auf einen Block.
Auf einem Blatt stand:
„In mir brennt ein Feuer, das ich nicht mehr aushalte.“
Und:
„Ich habe Angst, nie wieder Worte zu finden.“
Manche Erfahrungen sind so dunkel, dass sie die Sprache verschließen. Worte verbrennen, bevor sie den Mund erreichen.
Ich erzählte ihr die alte biblische Geschichte von den Männern im Feuerofen. Mitten im Feuer erscheint dort plötzlich noch eine weitere Gestalt. Hell. Leuchtend. Eine Gegenwart Gottes mitten in der Angst.
Nicht außerhalb des Feuers. Mitten darin.
„Vielleicht“, sagte ich zu ihr, „laden Sie Gott ein, mitten hinein in Ihr Feuer. Dorthin, wo bisher kein Mensch mitgehen konnte.“
Wochen später begann sie Gott Worte hinzuhalten. Ganz vorsichtige Worte. Bruchstücke. Atemzüge. Gefühle fanden Worte. Langsam fand Sprache zurück ins Leben.
Am Ende unserer gemeinsamen Zeit schenkte sie mir ein Bild: einen Engel in den Farben des Feuers.
Manchmal denke ich an ihn, wenn von Pfingsten die Rede ist.
Das Feuer war nicht verschwunden. Aber es hatte sie nicht vernichtet.
Für mich bedeutet Pfingsten:
Nicht immer große Begeisterung. Nicht immer starke Gewissheit.
Manchmal einfach nur das:
Ein Mensch findet wieder Worte.
Ein Mensch kann wieder atmen.
Ein Mensch bleibt nicht allein mit seinem inneren Feuer.
Gottes Geist wirkt genau dort:
In den verschlossenen Räumen.
In den zerbrechlichen Menschen.
In jedem vorsichtigen Atemzug zurück ins Leben.
Pastorin Birgit Schnelle, Klinikseelsorgerin im Alexianer Krefeld
