Christi Himmelfahrt

Am Sonntag ist wieder Muttertag. Und damit die Väter nicht zu kurz kommen, ist der zeitlich nah dabei liegende Feiertag Christi Himmelfahrt traditionell zum Vatertag geworden. Das passt, weil Christen an Himmelfahrt feiern: Jesus, der Gottessohn, ist zu seinem Vater im Himmel zurückgekehrt.  Himmelfahrt, das meint nicht, unterwegs zu Gott irgendwo in den Weltraum über den Wolken. Da wohnt Gott nicht wirklich. Zumindest hat ihn dort schon der erste Mensch im All, Juri Gagarin, nicht gefunden, obwohl er angeblich nach Gott Ausschau gehalten haben soll. Die Bibel erklärt damit, warum Jesus auch heute noch bei uns ist, wir ihn aber nicht sehen und anfassen können. Nach seinem Tod am Kreuz an Karfreitag sind uns ja die Begegnungen mit seinen Jüngern und mit den drei Frauen am Grab überliefert als Zeugnisse dafür, dass er auferstanden ist und das Leben über den Tod gesiegt hat. Er hatte dann noch einmal 40 Tage auf der Erde, in denen -wie so oft auch in der Nachspielzeit beim Fußball- Entscheidendes geschehen ist. Ohne die aus diesen Tagen überlieferten Begegnungen mit Jesus wäre der christliche Glaube an die Auferstehung gar nicht entstanden. Erst in dieser „Nachspielzeit“ für Jesus entscheidet sich, was sein Leben und Wirken in dieser Welt bedeutet hat. Am Himmelfahrtstag ist quasi dann der endgültige Abpfiff der Zeit, in der Jesus auf der Erde zum Anfassen nah war. Er ist jetzt im Himmel, also dort, von wo aus Gott wirkt. Bis dahin hat er dafür gesorgt, dass sich Himmel und Erde eine Zeitlang berührt haben und die Menschen gespürt haben, was überhaupt alles möglich ist: Blinde sehen, Lahme gehen und die Armen erfahren: da hilft dir einer. Jesus hat eine andere Wirklichkeit eine Zeitlang real werden lassen. Mehr geht nicht, er konnte nicht den Himmel auf Erden errichten, genauso wenig wie wir heute.  Hätte er noch länger Zeit gehabt, hätte er noch manches tun können. Aber an Christi Himmelfahrt hat Gott noch nicht das letzte Wort gesprochen. 10 Tage später ist Pfingsten, das heißt: Jesus ist weg, der Heilige Geist übernimmt. Und der ist ja wohl auch himmlisch.

  • Barbara Schwahn, Dr. (Superintendentin)