Andacht zu Pfingsten

Ein frischer Wind müsste durch die Kirche wehen. Das finden nicht nur Menschen, die ihr längst den Rücken gekehrt haben. Das finden auch die, die ihr noch die Treue halten, weil ihnen ihr Glaube lieb und wert ist und sie ihn mit anderen Christen gemeinsam leben möchten. Ich habe bisher nur Menschen erlebt, egal wie alt, die das lieber auf frische zeitgemäße Weise tun als in alten überholten Formen. An Pfingsten feiern wir wieder, dass das geschehen kann. So wie beim ersten Mal in Jerusalem, als plötzlich die Anhänger Jesu Türen und Fenster aufgemacht haben und ein frischer Wind ihr Leben durchfuhr. Mit einem Mal fegt er alles weg, was sie lähmt und bremst. Sie sind nicht mehr traurig über das, was nicht mehr ist wie früher. Davon lassen Sie sich nicht mehr runterziehen. Sie haben Lust und Energie auf Neues. Wer da Herz und Gemüt lüftet, das ist der Heilige Geist. Der Geist, der von Gott kommt und in uns Menschen wirkt. Ihn spüre ich auch heute an vielen Orten, wo Menschen auf neue und erfrischende Weise miteinander Kirche sind oder für andere Kirche sind. Googlen Sie mal, wo in Ihrer Umgebung sonntags gegen Mittag Gottesdienst gefeiert wird und hinterher ein gemeinsames Mittagessen lockt. Oder wo Sie Ihr Kind mit anderen zusammen unter freiem Himmel taufen lassen können und hinterher gemeinsam picknicken. Oder wo Sie in der Kirche Tango tanzen und Gott so loben können und sich über ihren Körper freuen, der sich so wunderbar bewegen kann. Und genießen Sie dabei als Paar prickelnd ihre Zweisamkeit. Suchen Sie nach Pilgerwegen, die Sie alleine oder mit anderen zu wunderbaren Orten bringen, an denen Sie Gott ganz nahekommen können. Oder verreisen Sie jetzt im Sommer doch einfach mal mit einer Gemeindegruppe und nutzen Sie die Gelegenheit, mit Gleichgesinnten über Gott und die Welt sprechen zu können. Überall da ist der heilige Geist Gottes.  Auf einem Bild hat ihn jemand als Taube dargestellt mit einem Rettungsring im Schnabel. Sie fliegt auf eine Kirche zu, die in verdächtiger Schieflage dabei ist unterzugehen.  Wo Gott mit seinem frischen Wind einzieht, da ist es vielleicht manchmal etwas zugig und nicht mehr so kuschelig wie früher, aber da wird sich die Kirche nicht nur über Wasser halten, da wird das Leben in ihr weiter pulsieren.

  • Barbara Schwahn, Dr. (Superintendentin)